Armut im Alter – Soziapolitisches Hearing

Am 08.12.2011 fand im Wissenschaftspark in Kiel das Sozialpolitische Hearing 2011 unter dem Thema “Altersarmut “ statt. Die gut besuchte Veranstaltung wurde von Manfred Wagner (Leiter des Amtes für Wohnen und Grundsicherung) eröffnet, der die Moderation an Heike Stüben von den Kieler Nachrichten übergab.

Das Grußwort sprach der Oberbürgermeister der Stadt Kiel, Torsten Albig. Dieser wies eindringlich darauf hin, dass sich hinter den bedrückenden Fakten und Zahlen Menschen verbergen; das es für die Gesellschaft unerträglich sei, noch keine befriedigende Antwort auf die Altersarmut zu haben. Er appelierte an alle Anwesende die Fragen der Altersarmut jetzt zu beantworten und dieses Problem nicht der nächsten Generation aufzubürden, da es dann für eine Lösung schon zu spät sein könnte.

Das Hauptreferat des Abends hielt Professor.Dr.rer.pol.Gerhard Bäcker von der Universität Duisburg-Essen.

In seinem Vortrag sprach er die verschiedenen Gründe an, die zu einer kleinen und nicht ausreichenden Rente führen. Er nannte unter anderem:

  • Mini-Jobs
  • Niedriglohnbeschäftigungen
  • anhaltende Arbeitslosigkeit
  • selbstständige Arbeit ohne Absicherung

u.v.m.

Er wies auch darauf hin, das Alleinerziehende, Familien mit vielen Kindern und Erwerbslose mit großer Wahrscheinlichkeit eine so geringe Rente bekommen werden, das sie noch zusätzlich Grundsicherung beantragen müssen. Er führte in seiner Rede aus, das bis zum heutigen Tag das Ei des Columbus zur Beseitigung der Altersarmut noch nicht gefunden worden ist. Sehr anschaulich befasste er sich mit Beschlüssen der Bundesregierung ( manches gut, vieles eher nicht, einiges kontraproduktiv). Professor Bäcker machte allen Anwesenden sehr deutlich, das die Beseitigung (sofern überhaupt möglich!) nicht ein Alleingang  vom Bund, den Kommunen oder der Rentenversicherung sein kann. Es müssen sich Alle  im Interesse der Sache zusammensetzen  und vor allen Dingen im Sinne der Menschen, die von der Altersarmut betroffen sind oder sein werden. Dies sollte sehr schnell geschehen, denn dieses Problem wird nicht von  alleine verschwinden. Es bedarf wirklich der Anstrengung aller um der Altersarmut erfolgreich zu begegnen.

Nach Professor Bäcker sprach Alfred Bornhalm

Er ist der Leiter des Amtes für Familie und Soziales in Kiel. Er setzte die Anwesenden darüber in Kenntniss, dass es in Kiel Stadtteile gibt , in denen die Kinderarmut doppelt so hoch ist, wie im Durchschnitt der Stadt. Es gibt bei uns ca.38000 Einwohner, die unter der Armutgrenze leben müssen. In Gaarden zum Beispiel liegt die Kinderarmut bei fast 60% und ist damit doppelt so hoch wie in anderen Teilen der Stadt.

Statements zu diesem Thema gaben des Weiteren noch ab:

  • Chr.Schulz  (Sozialverband Deutschland)
  • M.Eßer  (Pressesprecher der Deutschen Rentenversicherung Nord )
  • D.Neumann (Politischer Referent für Alterssicherung und Rehabilitation im DGB-Bundesvorstand )
  • B. Kotte (ehrenamtliche Helferin bei der Kieler Tafel )
  • J.Klagge (Vorsitzender des Beirates für Seniorinnen und Senioren)
  • Einige Äußerungen der Statements und der sich anschließenden Diskussion.
  • “Alle Menschen, die unter der Armutsgrenze leben,sollen sich melden. Die Gesetze sind für sie geschaffen worden”

“Riester ist nicht die Alternative”

“Populistische Äußerungen sind kontraproduktiv”

” Viele der Menschen die in Armut leben, haben unseren Wohlstand mitgegründet”

Ich möchte die Leser bitten sich den Mitschnitt anzuhören. Es handelt sich hier um ein Thema, das uns alle angeht, direkt oder indirekt. Eines darf nicht passieren, das das Thema ” Altersarmut ” totgeschwiegen wird.

Ich ende mit der Wiedergabe eines Zitates von Montesquieu, Charles-Louis de.

Die Qualität einer Gesellschaft zeigt sich in ihrem Umgang mit ihren schwächsten Mitgliedern

Mitschnitt des Sozialpolitischen Hearings vom 08.12.2011 “Armut im Alter” Teil I

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Mitschnitt des Sozialpolitischen Hearings vom 08.12.2011 “Armut im Alter” Teil II

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Bericht: Michael Preiss

Technische Bearbeitung: Andre Funkhauser