Das Medibüro Kiel

Germaine Adelt und Gesche Paulsen

Heute hatten wir Besuch von zwei Damen, die im Medibüro Kiel mitarbeiten. Es handelt sich dabei um Gesche Paulsen und um Germaine Adelt.

Das Medibüro Kiel kümmert sich um Menschen, die keine Aufenthaltsgenehmigung haben. Da diese Menschen keine Papiere haben, halten sie sich illegal in Deutschland auf. Dies kann die unterschiedlichsten Gründe haben. Autoritäre Gesellschaftssysteme, wirtschaftliche Ausbeutung, soziale Ungerechtigkeit, Krieg und die Auswirkungen der Klimaveränderung zwingen häufig Menschen, ihre Heimat zu verlassen. In der Bundesrepublik Deutschland leben nach Schätzungen von Wohlfahrtsverbänden zwischen 500 000 und einer Million „Menschen ohne Papiere“, d. h. ohne geregelten Aufenthaltsstatus, viele von ihnen auch in Schleswig-Holstein. Momentan kommen auch sehr viele Menschen u.a. aus Bulgarien und Rumänien. Viele dieser “Illegalen“ werden als billige Arbeitskräfte ausgebeutet, so in den Bereichen Gastronomie,Bau, Pflege und als Erntehelfer . Dazu gehört auch die Prostitution.

All diesen Menschen versucht das Medibüro Kiel zu helfen. Dabei werden die erforderlichen Medikamente, labortechnische Untersuchungen, e.t.c. durch Spendengelder finanziert. Brillen gehören nicht dazu, da sie als Luxus gelten. Alle Beteiligten arbeiten unbezahlt und unentgeltlich.

Stellen sie sich doch einfach einmal folgende Situation vor. Sie leben immer in der Furcht aus dem Land in dem sie leben ausgewiesen zu werden und dann bekommen sie sehr starke Schmerzen. Sie haben aber aus den genannten Gründen Angst zu einem Arzt zu gehen. Was tun sie also? Sie warten ab, ob es besser wird. Aber, wenn es nicht besser wird…? Hier kommt dann das Medibüro und hilft. Keiner muss seinen richtigen Nahmen nennen, auch damit Ihnen die Angst genommen wird, das man diesen vielleicht an die Behörde weiter geben könnte. Unter “Illegalen” bestehen große Ängste, dass anlässlich ihrer Behandlung ihr Status aufgedeckt wird und sie anschließend abgeschoben werden. Das Medibüro hat sich mit verschiedenen Institutionen, auch politischen in Verbindung gesetzt, um zu erreichen, das niemand vor der Tür steht und die “Illegalen“ ausspioniert.

Damit sie es nicht falsch verstehen. Es handelt sich bei dieser Hilfe lediglich um eine Grundversorgung und nicht darum das jemand eine Luxussanierung seiner Zähne bekommt. Das Medibüro hilft auch bei der Bezahlung der anfallenden Rechnungen. Das bedeutet, es hilft bei der Ausarbeitung von Abzahlungsvereinbarungen. Das Medibüro bezahlt nicht die Rechnungen!

Die beiden Damen betonten im Gespräch, dass sie gerade auf dem Ostufer und dort insbesondere in Gaarden auf eine sehr große und positive Resonanz ihrer Arbeit gestoßen sind. Nichtsdesttrotz sind neue Mitarbeiter und auch Ärzte, die helfen möchten sehr gerne gesehen.

Für alle, die sich für die Arbeit des Medibüros interessieren hier die Anschrift:

Sophienblatt 64a (In der ZBBS-Zentrale Bildungs- und Beratungsstelle für MigrantInnen in Schleswig-Holstein e.V.)

Die nächsten Termine sind am:

  • 16. Januar 2013
  • 30. Januar 2013
  • 13. Februar 2013

Telefon: 01577 189 44 80 (nur Di 14.30 – 16.30)

info@medibuero-kiel.de

Es ist schlichtweg eine Schande, dass Deutschland Menschen den Zugang zu medizinischen Leistungen verweigert. Dies sollte eigentlich selbstverständlich sein!

Wir danken herzlich für die erhaltenen Informationen.

Das Interview ist zu hören unter dem Podcast Wirtschaft und Politik

Ein Gedanke zu „Das Medibüro Kiel“

  1. So ein wichtiges Projekt. Danke für die Infos. Die Unterschriftenliste “Für fairer Start ins Leben” wird ausgedruckt und ausgelegt. Vielen Dank für Eure Arbeit und für diesen Beitrag. Ich hoffe das die Zuständigen in der Politik, endlich einmal ihre Verantwortung übernehmen.

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