Räumung des Occupy-Camps

Heute am frühen Morgen wurde, wie angekündigt, das Occupy-Camp am Lorentzendamm von der Polizei geräumt. Die Ordnungshüter kamen mit einem Großaufgebot von ca 100. “Ordnungshütern” angerückt; möglicherweise in dem Glauben, sie würden auf gewaltbereiten Widerstand stoßen. Dem war jedoch nicht so. Die ganze Aktion verlief, so wie Occupy es immer betont hat, gewaltfrei.

Innerhalb von zwei und einer halben Stunde war die ganze Angelegenheit erledigt – die Zelte waren abgebaut und der Platz wurde umgepflügt.

Wie es nun weiter gehen wird mit der Kieler Occupy-Gruppe ist noch nicht klar. Das es weiter geht steht für alle Mitglieder hundert prozentig fest. Dies ist auch auf dem Plakat deutlich zu lesen.

Wir werden unsere Leser über den Fortgang auf dem Laufenden halten.

Die ganze Aktion ist für viele Kieler nicht nachvollziehbar. Erst wurde die Gruppe geduldet und dann unter fadenscheinigen Gründen wurde diese Duldung wieder aufgehoben. Die Kieler Politik hat hier eine Chance vertan, sich einmal progressiv zu verhalten.

Schade darum!

P.S. Ich möchte ein Zitat von dem Mitglied des Deutschen Bundestages von der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen, Arfst Wagner, zur Kenntnis geben, der bei der Räumung des Platzes zugegen war:

“Eine Sonnenblume muß auch sterben um 5000 neue Samen aus zubringen”.

Fotos: Svenne

Weiterführende Infos / Fotos zum Thema auf:

 

Brand bei Occupy Kiel

Heute morgen gegen 06.00 gab es einen größeren Brand im Occupy Kiel Camp. Das Eingangs-, Versorgungs- und Hauptzelt ging in Flammen auf. Die BewohnerInnen gehen von Brandstiftung aus. Es wurde sofort abgestimmt sich nicht vertreiben zu lassen. Also geht es weiter. Es werden allerdings Spenden gebraucht. Zelte, Lebensmittel, Geschirr und auch Geld sind willkommen. Laut Presse beläuft sich der Schaden auf ca. 10000,00 €.

Viktor, Michael und ich haben im letzten Oktober die Occupy Leute in Kiel interviewt und waren tief beeindruckt von dem im Camp herrschenden Gemeinschaftsgefühl und vehementen Engagement. Aus diesem Anlass habe ich das Interview noch einmal ins Sendeschema aufgenommen und hoffe ihr hört einmal rein. Schön wäre auch, wenn ihr einmal im Camp am Lorenzendamm vorbeischaut. Guckt vorher mal was ihr entbehren könnt und bringt es den Leuten vorbei.

Die Polizei geht übrigens (wie kann jemand auch auf so etwas kommen?) nicht von einer politisch motivierten Tat aus.

Occupy Kiel

Karin , Michael und Viktor von Radio Gaarden waren unterwegs und haben die Mitglieder der Occupy- Bewegung besucht. Viele von Euch haben sicher die Zelte vor der Hauptsparkasse gesehen und sich gefragt, was denn da hinter steckt. Die Occupy-Bewegung (heißt eigentlich OWS – Occupy Wall Street, für”Besetzt die Wall Street”) ist eine Protestaktion, die Ihren Ursprung in New York hat. Sie prangert die soziale Ungerechtigkeit in den Vereinigten Staaten an. Sie sieht sich selber  stellvertretend für die 99 Prozent der Bevölkerung, die nicht länger bereit sind, die Gier und Korruption des letzten 1 Prozent hinzunehmen. Die Kritik richtet sich gegen den Einfluss der reichsten Amerikaner auf die Wirtschaftspolitik im Lande. Diese Kritik wird auch auf andere Länder übertragen und so formierten sich  in Europa und  Deutschland eigenständige Ableger.  Wir haben mit drei Beteiligten -Jan, Alena und Elonore-, gesprochen, die uns sehr freundlich empfangen haben und auch bereitwillig über Ihre Motivation Auskunft gegeben haben.

Occupy Camp Kiel

Eines haben wir aus dem Gespräch auf jeden Fall mitgenommen. Es handelt sich bei Occupy weniger um eine Bewegung, dafür mehr um eine Philosophie. Im Großen und Ganzen setzen sich die Mitglieder dafür ein, dass man sich nicht immer mehr beschaffen sollte, sondern dass man sich auch mit weniger zufrieden geben kann. Wenn man das schaffe, dann gebe es weniger Neid und viel mehr für andere, die bis jetzt noch hungern und darben müssen. Das  hört sich möglicherweise naiv und idealistisch an, denkt man aber eine Weile darüber nach , dann ergibt es schon einen Sinn. Man arbeitet sehr lange, sehr hart, um sich  Dinge zu kaufen, die im Endeffekt nicht wirklich nötig sind. Gibt jeder sich  mit etwas weniger zufrieden, dann hätte er mehr Zeit für sich und seine Mitmenschen. Man sollte sich nicht um jeden Preis dem Konsumdenken hingeben und schon gar nicht mit dem Ziel jemanden zu übertreffen.

Occupy Mitstreiter und Klaus der Geiger

Wie schon erwähnt, geht es bei Occupy gewaltfrei zu . Es herrschte eine sehr angenehme und freundschaftliche Atmosphäre. Sicher möchten die Mitglieder einen überzeugen; jedoch nicht und niemals um den Preis der physischen Auseinandersetzung. Sie sprechen mit den Menschen, die sie fragen, was denn Occupy erreichen will, tauschen sich mit Ihnen aus  und die Antworten laufen auf einen Satz hinaus:”denkt einfach einmal über euer Leben und euer Verhalten nach. Ist all das, was ihr euch wünscht und wofür ihr schwer arbeitet, wirklich notwendig? Könntet ihr mit weniger auskommen und dafür etwas ruhiger, zufriedener und weniger gehetzt sein?!” Die Mitglieder, mit denen wir sprachen, äußerten sich auch dahingehend, dass sich ihre Einstellung und ihre Ansichten bzgl.des Konsums und über sich selbst, immer wieder in Nuancen verändert hat und sie sich auch selbst in der Zeit, die sie in diesem Zeltlager verbracht haben, sehr verändert haben. Die Gemeinschaft und Solidarität, die sie hier erleben, hat ihre Einstellung zum Leben und den damit verbundenen Werten sehr beeinflusst.

Klaus der Geiger

Wenn man die ganze Sache philosophisch betrachtet, dann ist in diesem Fall der Weg wirklich wichtiger als das Ziel. Nehmt Euch die Zeit und besucht das Zeltlager am Lorenzendamm und möglicherweise werdet Ihr überrascht sein. Eines ist ganz sicher, Ihr seid willkommen.

Bei unserem Besuch war Klaus der Geiger zu Gast und gab eines seiner Lieder zum Besten.